Japanischer Geschäftsmann gebissen

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2006-02-01

Hallo an alle,

am Sonntag wurde in Bukarest ein japanischer Geschäftsmann von einem Straßenhund gebissen. Dabei wurde dem Opfer eine Arterie perforiert und der Mann verblutete in der Eingangshalle seines Wohnblocks. Mit einem simplen Druckverband hätte der Mann gerettet werden können, aber offenbar hat niemand gehandelt, niemand ist dem Mann zu Hilfe gekommen, obwohl der Hund schon vor dem Wohnblock von ihm abgelassen hatte.

Geschürt von undifferenzierten und reißerisch aufgemachten Zeitungsartikeln hat dieser tragische Vorfall nun in ganz Rumänien zu einer wahren Hysterie gegen die Straßenhunde geführt. Viele Buerger verlangen die komplette Ausrottung der Straßenhunde.

Adrian Videanu, Bukarests Buergermeister, will nun ein Maßnahmenpaket gegen die Straßenhunde durchpauken. Die Zeit, in der eingefangene Straßenhunde in den Shelters gehalten werden und adoptiert werden können, soll von 15 Tagen auf 72 Stunden verkürzt werden. Buerger, die einen adoptierten Straßenhund auf öffentlichem Grund wieder frei lassen, sollen mit einer Busse von bis zu 20 Millionen Lei (ca. 550 Euro) bestraft werden. Im Wiederholungsfall soll auch strafrechtlich gegen sie vorgegangen werden können. Wohnungseigentümer und Tierschutzorganisationen werden aufgefordert, die Tiere nicht mehr zu füttern, um Ansammlungen von Hunden rund um die Wohnblocks zu vermeiden. Diese Ansammlung von Straßenhunde habe am Sonntag im tragischen Vorfall gegipfelt.

Das Bürgermeisteramt will auch die Anzahl der Hundefänger verdoppeln und die Anzahl Fahrzeuge erhöhen. Auf der HP des Bürgermeisteramts sind auf den Seiten, die der Überwachung der Straßenhunde gewidmet sind, gegenwärtig 19 nichtqualifizierte Arbeitsstellen ausgeschrieben. Die Hundefänger sollen Narkosepistolen bekommen, um die Hunde leichter einfangen zu können.

Mit Hilfe der Studenten der Veterinär-Universität und mit Hilfe von 1000(!) ausländischen Vet.-Studenten und ausländischen Tierärzten will das Bürgermeisteramt in einem Monat alle eingefangenen Straßenhunde kastrieren. In diesem Zusammenhang muss man sich aber fragen, ob es sich dabei nicht um eine reine Augenwischerei, eine reine Alibi-Aussage handelt, um die Tierschützer ruhig zu halten. Warum sollten die Hunde kastriert werden, wenn sie 72 Stunden nach dem Einfangen getötet werden?

Es steht außer Frage, dass der Tod dieses japanischen Geschäftsmannes tragisch ist und niemand wird verneinen, dass das Problem der Straßenhunde gelöst werden muss. Es steht aber ebenfalls außer Frage, dass die Wiederaufnahme des Hundemassakers das Problem nicht zum Verschwinden bringen wird. Im besten Fall wird es zu einer kurzfristige Verbesserung führen. In einer einzigen Saison wird die Natur das Vakuum, das durch die Tötung von Straßenhunden entstanden ist, wieder auffüllen. So werden Straßenhunde endlos massakriert werden, ohne dass je ein langfristiger Erfolg erzielt werden kann. Wie alle Fachleute wissen, kann nur das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgearbeitete und propagierte Kastrationsprogramm und die Wiederaussetzung der Hunde in ihrem angestammten Revier zum selbständigen 'Erlöschen' des Problems und zu einer dauerhaften Lösung führen.

Kenner der rumänischen Tierschutzszene werden nicht vergessen haben, dass große ausländische Tierschutzorganisationen schon vor etwa 6 Jahren dem damaligen Buergermeister von Bukarest, Traian Basescu (heutiger Staatspräsident von Rumänien), umfassende Hilfe angeboten hatten. Basescu schloss mit den Organisationen einen Vertrag ab, den er aber schon wenige Monate später brach, was den Auftakt zum unwürdigen Hundemassaker in Bukarest bedeutete.

Ich fürchte, dass die Straßenhunde einmal mehr die Zeche für alle Unterlassungssünden der Politiker und Behörden werden bezahlen müssen.

Traurig traurig! In mir kommt wieder der Zorn hoch.
JAG

 
 
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