Arca lui Noe

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19.11.2003 Hallo an Euch alle,

heute hat mich Frau Eremia ganz verzweifelt angerufen und gesagt, dass die Kassen der Stiftung leer seien und die Futterreserven für die etwa 250 Hunde nur noch bis nächsten Dienstag 25. November reichen würden. Unter dem europäischen PHARE-Program würde die Stiftung im Januar wieder etwas Geld bekommen und Mitte Januar sollte auch die Brigitte Bardot Stiftung wieder etwas Trockenfutter liefern. Bis dahin aber wüsste sie nicht, wie die Hunde über die Runden gebracht werden können.

Die verschiedenen Summen, die Ihr mir im Verlaufe des Jahres zur Verfügung gestellt habt, habe ich mittlerweile alle für Trockenfutter und Kastrationen und Impfungen sowie tierärztliche Pflege von Straßenhunden verwendet. Ich werde aus eigenen Mitteln für eine Woche Trockenfutter in den ALN Shelter liefern lassen. Mehr kann ich im Moment leider nicht tun. Ich bitte Euch daher abzuklären, ob bei deutschen Organisationen allenfalls noch irgendwo etwas Geld zur Verfügung wäre, das für den lokalen Ankauf von Trockenfutter verwendet werden könnte. Wer weiß, vielleicht habt Ihr ja noch weitere gute Ideen, wie wir ALN helfen könnten. Ich werde z.B. prüfen, ob ich vom Carrefour Einkaufszentrum Esswaren bekommen kann, die nicht mehr verkauft werden können. Dann werde ich auch mit den Hotels Hilton und Marriott abklären, ob allenfalls die Essensresten separat in Plastiktonnen gesammelt werden könnten, damit sie täglich von ALN abgeholt werden können.

Unten mache ich mal die Rechnung, wieviel das Trockenfutter für 1 Monat kostet.

Liebe Grüsse an alle, JAG

Tagesportion: 0,350 kg pro Hund
250 Hunde x 0,350 kg = 87,5 kg pro Tag = 2.625 kg pro Monat
zu Lei 18.000/kg = Lei 47.250.000 pro Monat
Gegenwärtig 1 Euro = 39.000 Lei
= 1.200 Euro pro Monat

 
 
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20.11.2003

Hallo Freunde,

Natürlich ist es so, dass die rumänischen Shelters absolut keine Lösung darstellen können. Die Hunde einzufangen und einzusperren ist genau so falsch wie sie einzufangen und zu töten, denn beide "Lösungen" führen zu nichts anderem als höhere Geburtenraten bei den freien Straßenhunden. Auf beide Arten wird sich die Teufelsspirale endlos weiterdrehen. Unsere Aktionen zur Rettung von Welpen und Straßenhunden und deren Vermittlung an deutsche Tierfreunde hat letztlich auch keinen positiven Einfluss auf das Problem. Aber das wissen wir alle.

Ich möchte hier einige Aspekte ins richtige Licht rücken.

Genau wie in westeuropäischen Ländern, haben auch die rumänischen Medien jegliches Interesse an diesem Thema verloren. Es interessiert niemanden mehr und die rumänischen Tierschützer haben weder politische noch sonst welche Unterstützung. Waren Mitte 2001 noch 2/3 der Bevölkerung gegen die Behörden eingestellt, so sind heute bestimmt 80 - 90% der Buerger für eine schnelle Lösung des Straßenhundeproblems durch einfangen und töten der Tiere. Bukarests Buergermeister Basescu hat von der Bevölkerung also keinen echten Widerstand mehr zu befürchten und somit kann er seine Tötungsmaschine weiterhin laufen lassen. Ich glaube nicht, dass die Rumänen schlechtere Menschen sind als andere Europäer. Nur, in Ländern wie Deutschland, Ostereich, Schweiz, Frankreich usw. gibt es kein Straßenhundeproblem. Die rumänische Bevölkerung aber musste seit mehr als 10 Jahren damit leben.

In den letzten 2 Jahren, dürften alleine in Bukarest an die 40.000 Straßenhunde getötet worden sein. Wie viele es genau waren, weiß niemand. Sie werden nicht etwa euthanasiert oder erschossen, sondern auf brutalste Art und Weise massakriert; ich erspare Euch hier die Details. Die Straßenhunde sind also nicht der Gefahr ausgesetzt erschossen zu werden, sondern sie haben die Gewissheit, eingefangen und zu Tode gequält zu werden.

Unter diesen Umständen, müssen wir den Wunsch der hiesigen Tierschützer - wenigstens eine gewisse Anzahl der Straßenhunde von den Hundefängern zu retten - als legitim akzeptieren. Selbst wenn wir alle wissen, dass nur eine einzige Handhabung des Problems eine definitive Lösung bringen kann: Das großangelegte Kastrationsprogramm wieder aufzunehmen.

Alleine in Bukarest dürften in den verschiedenen Shelter an die 3000 - 4000 Hunde untergebracht sein. Auch dazu gibt es keine genauen Zahlen. Stellt Euch vor was passieren würde, wenn wir nun diese Hunde über Nacht wieder auf die Strasse setzen würden.

  1. die frei lebenden Hunden würden zwangsweise ihr Revier gegen die Eindringlinge verteidigen wollen, was bestimmt zu wilden Kämpfen zwischen den Hunden führen würde

  2. die Hundepopulation auf Bukarests Strassen würde auf einen Schlag um etwa 5-10% ansteigen. Das wiederum würde bei der Bevölkerung zu negativen Reaktionen führen und den Behörden erneut eine Legitimität für ihr Hundemassaker geben

  3. die Hundefänger würden ihre Aktivitäten nicht nur weiterführen, sondern auf "Wunsch" der Bevölkerung erhöhen und es würden mehr Straßenhunde zu Tode gequält werden

Die rumänischen Tierschützer haben also nur zwei Alternativen:

  1. die Hunde auf der Strasse belassen und so viele wie möglich zu kastrieren; mit der Gewissheit aber, dass die Tiere irgendwann eingefangen und massakriert werden

  2. die Hunde einfangen und in Sheltern unterbringen, wissend dass sie damit auch zur Erhöhung der Geburtenraten der verbliebenen Straßenhunde beitragen

Alle rumänischen Tierschutzorganisationen die ich kenne, versuchen so viele Straßenhunde wie möglich zu kastrieren.
Alle hiesigen Shelters unternehmen große Anstrengungen, um so viele Straßenhunde wie möglich an Adoptionsfamilien und Pflegestellen zu vermitteln.
Alle rumänischen Tierschutzorganisationen versuchen bei der Bevölkerung Aufklärungsarbeit zu betreiben, damit auch die Hofhunde kastriert werden.
ALN z.B. führt zwei Mal im Jahr Großangelegte Adoptionsaktionen durch, mit massigem Erfolg. Dieses Jahr konnten nur etwa 60 Hunde vermittelt werden. Wie viele davon wieder auf der Strasse gelangt sind, weiß niemand.
Mit gut sozialisierten Straßenhunden betreibt ALN an diversen Wochenenden in den verschiedenen Parks Aufklärungsarbeit bei Kindern und ihren Eltern.
ALN hat dieses Jahr mit europäischen Geldern 2 PHARE Projekte begonnen:

  1. 1. Ausbildung von ganz jungen Straßenhunden zu Behindertenhunden

  2. 2. Resozialisierung von Strafgefangenen durch Arbeit mit und für die Straßenhunde.

Wie Ihr seht, versuchen auch die rumänischen Tierschutzorganisationen konkrete Lösungen zu finden. Aber das Problem ist so enorm groß, dass sie es ohne Hilfe aus dem Westen nicht schaffen werden. Ich habe heute bereits mit der Direktion des Hotel Marriott gesprochen. Das Hotel hat bereits eine Infrastruktur aufgebaut, um die Essensreste separat in speziellen Behältern zu sammeln. Diese wurden in der Vergangenheit täglich von der Tierschutzstiftung "Speranta" (Hoffnung) abgeholt. Seit 2 - 3 Monaten klappt das aber nicht mehr so gut. Ich werde nun versuchen, mit ALN die nötige Logistik aufzubauen, um täglich die Essensreste dort abzuholen.

LG JAG

 
 
 
29.11.2003 HUP hat ALN mit 200,- € unterstützt  
 
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