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- von Birthe Fiedler -
Anfang Mai fuhr ich mit einem
Bekannten nach Bukarest, um wenigstens ein paar Straßenhunde vor ihrem grausamen
Schicksal retten zu können.
Sonntag nachmittag besichtigten
wir dort zu dritt ein Gelände, das in Kürze eingezäunt werden soll, damit so
ca. 200 Straßenhunde hierauf leben können. Auf dem Rückweg fuhren wir eine holprige,
kaum befestigte Straße entlang, auf der man unglaublich viele Welpen und Junghunde
beobachten konnte. Wir stiegen immer wieder aus, um ein paar Fotos zu schießen
und einige Tiere zu füttern. Ganz erschreckend war, wie verwahrlost einige dieser
Hunde aussahen. Da gab es Welpen mit acht oder mehr Zecken im Ohr. Am liebsten
hätten wir alle eingepackt und mit nach Deutschland genommen. Aber wir mussten
vernünftig sein! Wir durften nur bereits geimpfte Tiere mit nach Deutschland
nehmen. Also stiegen wir wieder ins Auto und fuhren weiter.
Dann sahen wir plötzlich rechts
am Straßenrand eine ganz alte, schwache und unglaublich verwahrloste Hündin.
Sie hatte kaum noch Fell. Sie hatte nur noch ein paar wenige Haare auf dem Rücken,
aber kaum noch welche am Bauch. Fast das ganze Gesicht und der Hals waren kahl.
Der Schwanz war so gut wie kahl. Überall konnte man die Haut sehen, die vernarbt,
schwarz und furchtbar ausgetrocknet aussah. Teilweise hingen Hautfetzen in den
Resten des Fells. Es war zwar erst Mai, aber wir hatten an dem Tag eine furchtbare
Hitze. Ich denke, die Hündin hatte unglaublich unter der Sonnenstrahlung zu
leiden, sie hatte ja schließlich kaum noch Fell, welches sie schützen konnte.
Spätestens im späten Herbst wäre das Tier erfroren.
Foto: Roger Michael Meierhofer
Darüber hinaus war sie unterernährt
und abgemagert, dass man jede Rippe einzeln sehen konnte. Wir waren uns alle
drei sofort einig, dass wir diese Hündin mitnehmen mussten. Sie war alleine
nicht mehr überlebensfähig.
Ich stieg aus, und versuchte
sie einzufangen. Aber sie gehörte vermutlich zu den vielen Bukarester Hunden,
die keine so guten Erfahrungen mit Menschen gemacht hatten! Sie versuchte zu
flüchten. Die einzige Möglichkeit war noch, sie mit Futter anzulocken. Also
opferte ich meine Tofubrote und lockte sie zu mir. Einheimische, die diese Szene
mitbekamen, sagten mir ich solle sie „Fetitia“ (heißt „Mädchen“ auf rumänisch)
rufen. Also rief ich „Fetitia“ und warf ihr die ersten Brotstücke hin. Ich habe
noch nie ein Tier vor lauter Hunger so schlingen gesehen. Schließlich kam sie
ganz auf mich zu und biß mir die Brote sozusagen aus der Hand. Dann konnte ich
sie endlich unter dem Bauch packen und ins Auto setzen.
Ausgerechnet an diesem Nachmittag
war Dr. Dragos nicht in der Stadt. Er hatte einen Kontrolletermin außerhalb
von Bukarest. Wir vereinbarten aber für abends ca. 20.30 Uhr einen Termin in
seiner Tierklinik. Wir hatten alle drei ein ziemlich ungutes Gefühl. Fetitia
sah sehr danach aus, als hätte sie Räude im fortgeschritten Stadium, was meist
tödlich endet.
Abends brachten wir sie also
in die Tierklinik, und Dr. Dragos untersuchte einige ihrer Hautfetzen, die sich
mit der Pinzette gut abnehmen ließen. Seine Diagnose hieß: Keine Räude, aber
ein sehr ansteckender Pilz. Keinesfalls hätten wir sie also sofort mit nach
Deutschland nehmen können, da sie im Auto alle anderen Hunde angesteckt hätte.
Der Pilz musste erst ausgeheilt werden.
Ihr Anblick hatte mir fast
das Herz gebrochen. So habe ich mich entschieden, dass ich sie nach Deutschland
holen und behalten werde. Aber aufgrund der Ansteckungsgefahr ließ ich sie für
die nächsten 3 Wochen bei Dr. Dragos zurück. Sie musste dort jeden Tag ärztlich
betreut werden.
Wir fuhren am nächsten Tag
also mit 6 Welpen und einer ausgewachsenen jungen Hündin zurück nach Deutschland.
Alle paar Tage rief ich Dr. Dragos an, und fragte nach Fetitias Zustand. Drei
Wochen später war es dann so weit: Ich konnte sie abholen.
Um ihr und mir die 30-stündige
Autofahrt zu ersparen, bin ich mit ihr geflogen. Sie kam in eine Hundebox und
bekam am Flughafen eine „Einschlafspritze“, weil sie bereits im Flughafengebäude
recht panisch geworden ist. Die 2 ½ Stunden Flug hatte sie also durchgeschlafen,
und wurde erst am Frankfurter Flughafen wieder wach. Sie hatte den Flug also
recht gut überstanden.
Zurück zu Hause in meiner
Wohnung habe ich ihr erst einmal einen Schlafplatz hergerichtet und ihr eine
Menge Futter hingestellt, damit sie sich endlich mal richtig satt essen konnte.
Anfangs war sie noch etwas misstrauig mir gegenüber, aber das änderte sich schnell.
Ich habe viel mit ihr geredet und sie gestreichelt. Abends wedelte sie sogar
schon mit dem Schwänzchen, wenn sie mich sah.
Einige Tage später kam dann
der Schock: Meine Tierärztin hier aus Deutschland entnahm ihr eine Gewebeprobe
und schickte diese in ein Labor ein. Diagnose: Räude
Diese wurde dann mit wöchentlichen
Spritzen behandelt. Alle 2 Tage musste ich sie in so einem Schwefelzeugs baden,
damit sich die vertrockneten Hautschichten lösen und Fell nachwachsten konnte.
Das war vielleicht eine Tortur. Sie war jedes Mal am winseln.
Jetzt, 6 Wochen später, ist
aus Fetitia eine bildschöne alte Hundedame geworden. Die Räude ist ausgeheilt
und das Fell ist am sprießen. So sehr, dass man keine Haut mehr sehen kann.
Darüber hinaus ist sie super anhänglich geworden und genießt ihre regelmäßigen
Streicheleinheiten. Ihre Rippen sind nicht mehr zu sehen, im Gegenteil! Die
Ärztin sprach mich gestern darauf an, dass sie ziemlich gut im Futter stehe.
Fetitia hat sich mittlerweile
richtig gut eingelebt. Sie fühlt sich inzwischen richtig wohl und räkelt sich
gerne auf dem Sofa oder draußen am Feld im hohen Gras. Ich kann sie sogar ohne
Leine laufen lassen. Sie ist so auf mich bezogen, dass sie sich keine 10 Schritte
von mir entfernt. Sie knurrt auch meinen anderen Hund nicht mehr an. Wer weiß,
vielleicht werden die beiden ja sogar noch Freunde!
Mischlingshunden sagt
man immer nach, dass sie so robust seien und ein sehr hohes Alter erreichen
können. Fetitia wurde so auf ca. 8 bis 9 Jahre geschätzt. Sie wird also noch
einige schöne Jährchen bei mir verleben dürfen!
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