Die Geschichte von Fetita

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30.06.2001 ... eine Geschichte mit Happy End

- von Birthe Fiedler -

Anfang Mai fuhr ich mit einem Bekannten nach Bukarest, um wenigstens ein paar Straßenhunde vor ihrem grausamen Schicksal retten zu können.

Sonntag nachmittag besichtigten wir dort zu dritt ein Gelände, das in Kürze eingezäunt werden soll, damit so ca. 200 Straßenhunde hierauf leben können. Auf dem Rückweg fuhren wir eine holprige, kaum befestigte Straße entlang, auf der man unglaublich viele Welpen und Junghunde beobachten konnte. Wir stiegen immer wieder aus, um ein paar Fotos zu schießen und einige Tiere zu füttern. Ganz erschreckend war, wie verwahrlost einige dieser Hunde aussahen. Da gab es Welpen mit acht oder mehr Zecken im Ohr. Am liebsten hätten wir alle eingepackt und mit nach Deutschland genommen. Aber wir mussten vernünftig sein! Wir durften nur bereits geimpfte Tiere mit nach Deutschland nehmen. Also stiegen wir wieder ins Auto und fuhren weiter.

Dann sahen wir plötzlich rechts am Straßenrand eine ganz alte, schwache und unglaublich verwahrloste Hündin. Sie hatte kaum noch Fell. Sie hatte nur noch ein paar wenige Haare auf dem Rücken, aber kaum noch welche am Bauch. Fast das ganze Gesicht und der Hals waren kahl. Der Schwanz war so gut wie kahl. Überall konnte man die Haut sehen, die vernarbt, schwarz und furchtbar ausgetrocknet aussah. Teilweise hingen Hautfetzen in den Resten des Fells. Es war zwar erst Mai, aber wir hatten an dem Tag eine furchtbare Hitze. Ich denke, die Hündin hatte unglaublich unter der Sonnenstrahlung zu leiden, sie hatte ja schließlich kaum noch Fell, welches sie schützen konnte. Spätestens im späten Herbst wäre das Tier erfroren.  


Foto: Roger Michael Meierhofer

Darüber hinaus war sie unterernährt und abgemagert, dass man jede Rippe einzeln sehen konnte. Wir waren uns alle drei sofort einig, dass wir diese Hündin mitnehmen mussten. Sie war alleine nicht mehr überlebensfähig.

Ich stieg aus, und versuchte sie einzufangen. Aber sie gehörte vermutlich zu den vielen Bukarester Hunden, die keine so guten Erfahrungen mit Menschen gemacht hatten! Sie versuchte zu flüchten. Die einzige Möglichkeit war noch, sie mit Futter anzulocken. Also opferte ich meine Tofubrote und lockte sie zu mir. Einheimische, die diese Szene mitbekamen, sagten mir ich solle sie „Fetitia“ (heißt „Mädchen“ auf rumänisch) rufen. Also rief ich „Fetitia“ und warf ihr die ersten Brotstücke hin. Ich habe noch nie ein Tier vor lauter Hunger so schlingen gesehen. Schließlich kam sie ganz auf mich zu und biß mir die Brote sozusagen aus der Hand. Dann konnte ich sie endlich unter dem Bauch packen und ins Auto setzen.

Ausgerechnet an diesem Nachmittag war Dr. Dragos nicht in der Stadt. Er hatte einen Kontrolletermin außerhalb von Bukarest. Wir vereinbarten aber für abends ca. 20.30 Uhr einen Termin in seiner Tierklinik. Wir hatten alle drei ein ziemlich ungutes Gefühl. Fetitia sah sehr danach aus, als hätte sie Räude im fortgeschritten Stadium, was meist tödlich endet.

Abends brachten wir sie also in die Tierklinik, und Dr. Dragos untersuchte einige ihrer Hautfetzen, die sich mit der Pinzette gut abnehmen ließen. Seine Diagnose hieß: Keine Räude, aber ein sehr ansteckender Pilz. Keinesfalls hätten wir sie also sofort mit nach Deutschland nehmen können, da sie im Auto alle anderen Hunde angesteckt hätte. Der Pilz musste erst ausgeheilt werden.

Ihr Anblick hatte mir fast das Herz gebrochen. So habe ich mich entschieden, dass ich sie nach Deutschland holen und behalten werde. Aber aufgrund der Ansteckungsgefahr ließ ich sie für die nächsten 3 Wochen bei Dr. Dragos zurück. Sie musste dort jeden Tag ärztlich betreut werden.

Wir fuhren am nächsten Tag also mit 6 Welpen und einer ausgewachsenen jungen Hündin zurück nach Deutschland. Alle paar Tage rief ich Dr. Dragos an, und fragte nach Fetitias Zustand. Drei Wochen später war es dann so weit: Ich konnte sie abholen.

Um ihr und mir die 30-stündige Autofahrt zu ersparen, bin ich mit ihr geflogen. Sie kam in eine Hundebox und bekam am Flughafen eine „Einschlafspritze“, weil sie bereits im Flughafengebäude recht panisch geworden ist. Die 2 ½ Stunden Flug hatte sie also durchgeschlafen, und wurde erst am Frankfurter Flughafen wieder wach. Sie hatte den Flug also recht gut überstanden.

Zurück zu Hause in meiner Wohnung habe ich ihr erst einmal einen Schlafplatz hergerichtet und ihr eine Menge Futter hingestellt, damit sie sich endlich mal richtig satt essen konnte. Anfangs war sie noch etwas misstrauig mir gegenüber, aber das änderte sich schnell. Ich habe viel mit ihr geredet und sie gestreichelt. Abends wedelte sie sogar schon mit dem Schwänzchen, wenn sie mich sah.

Einige Tage später kam dann der Schock: Meine Tierärztin hier aus Deutschland entnahm ihr eine Gewebeprobe und schickte diese in ein Labor ein. Diagnose: Räude

Diese wurde dann mit wöchentlichen Spritzen behandelt. Alle 2 Tage musste ich sie in so einem Schwefelzeugs baden, damit sich die vertrockneten Hautschichten lösen und Fell nachwachsten konnte. Das war vielleicht eine Tortur. Sie war jedes Mal am winseln.

Jetzt, 6 Wochen später, ist aus Fetitia eine bildschöne alte Hundedame geworden. Die Räude ist ausgeheilt und das Fell ist am sprießen. So sehr, dass man keine Haut mehr sehen kann. Darüber hinaus ist sie super anhänglich geworden und genießt ihre regelmäßigen Streicheleinheiten. Ihre Rippen sind nicht mehr zu sehen, im Gegenteil! Die Ärztin sprach mich gestern darauf an, dass sie ziemlich gut im Futter stehe.  

Fetitia hat sich mittlerweile richtig gut eingelebt. Sie fühlt sich inzwischen richtig wohl und räkelt sich gerne auf dem Sofa oder draußen am Feld im hohen Gras. Ich kann sie sogar ohne Leine laufen lassen. Sie ist so auf mich bezogen, dass sie sich keine 10 Schritte von mir entfernt. Sie knurrt auch meinen anderen Hund nicht mehr an. Wer weiß, vielleicht werden die beiden ja sogar noch Freunde!

Mischlingshunden sagt man immer nach, dass sie so robust seien und ein sehr hohes Alter erreichen können. Fetitia wurde so auf ca. 8 bis 9 Jahre geschätzt. Sie wird also noch einige schöne Jährchen bei mir verleben dürfen!

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